Gesellschaftskritik

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Das Gerücht
1943/1953
Die Angst regiert
1971
Der letzte Privatier
1956
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Der Denunziant
1934/1947
Der Schlag ins Leere
1934/1951
Hammerschläge
1971
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Rückgrat raus!
1951/1960
Die Herren d. Schöpfung
1962
Hungrige Gäste
1967


Weber zeichnete die Fähigkeit aus, in Bildern zu denken und das Gedachte einprägsam darzustellen. Abseits von modischer Ungebärdigkeit brachte er einen "reichbebilderten Katalog der menschlichen Verderbtheiten unserer Zeit" (Peter Rühmkorf) zu Papier.

Durch Erschütterung - die uns im Bild weit unmittelbarer erreicht als im Wort - zu belehren, ist Sinn der Satire. Durch Übertreibung und Überzeichnung auf Missstände aufmerksam zu machen, ist Bestimmung des Satirikers. Rühmkorf schrieb 1959 für die erste Ausgabe der von Weber herausgegebenen "Kritischen Kalender": "Es ist nun nicht so, daß der Satiriker Weber immer und ständig Großgeld münzte, auch in Kleinigkeiten sieht er Wichtiges, und da er im Alltag heimisch ist und mit den trivialen Ärgernissen vertraut, justiert er das schielende Auge der Gerechtigkeit auch dort, wo nicht gerade unsere größten Dinge verhandelt werden. Reibt sich oft, intensiv mit Lust, an den kleinen Peinigern der Menschheit, selbstherrlichen Beamten, gerissenen Ärzten, am Recht schmarotzenden Advokaten. Mag man dies vielleicht noch als Zwacken empfinden, erschüttert aber ist man, wo Weber unsere entscheidenden Themen zu Protest bringt; wo es nicht mehr um powere Quälgeister, sondern um Weltplagen geht: Atombomben, Raketen, Strahlungsschäden, Mutationen, um Sein oder Krieg, um Abrüstung oder Auslöschung."

Der "Große Saal" im Erdgeschoss, durch dessen Tür zum Garten man auf das wenige Meter entfernte Grab A. Paul Webers blicken kann, zeigt eine Auswahl an Arbeiten, die für den Künstler typisch, ja oft sogar "klassisch" geworden sind.

So etwa Das Gerücht, das von Arno Schmidt als "die beste Allegorie seit Leonardo da Vinci" bezeichnet worden ist. Meisterhaft ist hier die Umsetzung eines abstrakten Begriffes in eine dingliche Form gelungen. Zugleich prangerte Weber in diesem 1943 gezeichneten und später mehrfach lithographierten Blatt bereits die monstrengebärende, unmenschlich monotone Architektur der modernen Großstädte an, aus deren Fensterlöchern die Gestalten dem Gerücht zuströmen und ihm immer neue Nahrung geben. Weber spielte in den Details der schlangenartigen Figur auf zahlreiche "geflügelte Worte" oder Redewendungen an, die wir im Zusammenhang mit diesem Thema benutzen: Der Schlangenleib - Symbol der Falschheit - ist besetzt mit Augen und Zungen, der Kopf hat große, spitze Lauscher, mit denen das Gerücht "die Ohren spitzt" und "etwas spitzkriegen" kann, dicke Brillengläser, durch die es alles genauestens zu sehen glaubt und doch alles nur verzerrt wahrnimmt, eine große "Klappe" mit "spitzer" Zunge und einen langen "Riecher", den es "in alles steckt".

Eine ähnlich gekonnte Umsetzung eines Gefühls zeigt Die Angst regiert, die auf Studien aus der unmittelbaren Nachkriegszeit zurückgeht. Beide Blätter bestechen durch ihre detaillierte Ausarbeitung und durch die Vielzahl von feinen und feinsten Linien, die sich zur großen Form zusammenschließen. Gleiches gilt auch für das Blatt Der letzte Privatier: Ein Mann sitzt gemütlich vor seinem idyllischen Häuschen, das er mit starken Mauern umgeben hat, in einer toten, zerstörten Welt, die ihn aber nicht zu kümmern scheint. Ein Motiv der Arche Noahs - die Taube am Turm - bekommt hier einen unangenehmen Beigeschmack. Zielt Weber auf jene, die sich der Zerstörung des Krieges entziehen konnten und "ihr Schäfchen ins Trockene gebracht" haben und auf jene, die nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, mag die Welt um sie herum in Trümmer gehen?

Der Denunziant entstand als Zeichnung 1934, als die Nazis jeden ausspionierten, der oppositionell dachte. Weber lithographierte das Thema 1947 und 1961. Für den Scharfblick des Künstlers spricht, dass die meisten seiner Blätter über den unmittelbaren Anlass ihrer Entstehung hinaus eine zeitlose Aussage enthalten und somit an Aktualität nicht verloren haben, sondern im Gegenteil ständig neu hinzugewinnen. Der Schlag ins Leere, der ebenfalls auf eine Zeichnung von 1934 zurückgeht, zeigt den deutschen Michel als dümmlichen Statisten seiner Zeit: Er hat gerade Hitler gewählt und schlägt sich damit in seiner Torheit selbst den Nagel in den Kopf.

Gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in kommunistischen Regimen richtet sich das Blatt Hammerschläge, das in seiner spontanen, dynamischen, skizzenhaften Ausführung den sicheren Blick und Strich des Künstlers vor Augen führt.

Rückgrat raus! Nach diesem Blatt entstand ein Gedicht von Hermann Mostar, das Weber 1961 zusammen mit dem Bild im "Kritischen Kalender" veröffentlichte: "... Ein schneller Schnitt, dein Rückgrat fehlt,/ und was dich eben noch gequält,/ Ist jetzt direkt vergnüglich,/ Im Wehrdienst robbt sich's wie geschmiert,/ Im Amt kriecht sich's vorzüglich./ Und willst du wo geborgen sein,/ Du kriechst ganz mühelos hinein,/ Hat's doch der Arzt gestanden:/ Ein Rückgrat, das vermißt man kaum -/ Es war nie viel vorhanden ..."

Um zumindest an einem Beispiel A. Paul Webers akribisch-kleinteiligen Zeichenstil erlebbar werden zu lassen, führt der untenstehende Link auf eine hochauflösende
Wiedergabe der Lithographie "Das Gerücht" in der Fassung von 1953. Die Größe der Datei (1,62 Megabyte) bedingt längere Ladezeiten.

"Das Gerücht" (hochauflösende Grafik).




Das Werk A. P. Webers

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